10.03.2016

Presseinformation – NLV beschließt Dreijahresthema „Integration“

Die Kreisvorsitzenden des NLV sprechen sich einstimmig dafür aus, mit den 70.000 Mitgliedern das Thema „Integration“ anzupacken und Begegnungen zu schaffen.

Experten zum Thema Integration auf dem Podium: Tjark Bartels, Barbara Otte-Kinast, Maria Vogel (Moderation), Editha Lorberg, Aigün Hirsch und Rainer Müller-Brandes (v.l.)
Berührte mit ihrem sehr persönlichem Bericht: Integrationshelferin Antigone Mally

Hannover – Der Niedersächsische LandFrauenverband Hannover (NLV) wird dem Thema „Integration“ von 2017 bis 2019 Priorität einräumen. Dafür haben sich die Vorsitzenden der Kreisverbände in einer außerordentlichen Sitzung am Dienstag in Hannover ausgesprochen. Zwar sind einige der 276 Ortsvereine und 39 Kreisverbände bereits aktiv in der Flüchtlingsarbeit engagiert – es als Dreijahresthema auf Landesebene zu heben, dagegen hatten zuvor einige Kreisvorsitzende noch Bedenken geäußert.

Um in dieser Frage Klarheit und Konsens herbeizuführen, hatte die NLV-Vorsitzende Barbara Otte-Kinast erstmalig in der Verbandsgeschichte eine außerordentliche Hauptausschusssitzung einberufen. Zu Beginn der Sitzung stellte sie klar: „Das Thema wird uns in den nächsten Jahrzehnten begleiten. Jeder von uns muss handeln – sonst machen andere mit uns, was uns nicht gefallen wird.“

In der Sitzung berichteten Fachreferenten über die Situation in der Flüchtlingsarbeit. Besonders berührte der Vortrag von Antigone Mally. Die Integrationshelferin in der Samtgemeinde Fürstenau schilderte eindrücklich, wie entscheidend es ist, den Menschen zu sehen. „Beide Seiten – Einheimische und Geflüchtete – denken, die anderen wollen den Kontakt nicht – aber das stimmt nicht“, sagte die Referentin aus Erfahrung.

Zahlen und Fakten präsentierte Prof. Dr. Hubert Meyer vom Niedersächsischen Landkreistag. Sie zeigten die Dimension der Aufgabe, von der die Kommunen derzeit überrollt werden. Das ihnen zustehende Geld bekommen sie mit einer Verzögerung von zwei Jahren, was ein enormes Defizit zur Folge hat. „Deshalb brauchen wir die Zivilgesellschaft!“, so sein Appell.

Keno Müller von der Universität Vechta führte in seinem Vortrag über Interkulturalität aus: „Kultur spielt sich eher im Kopf ab als in der Wirklichkeit. Das Schlimmste ist, Kontakt zu vermeiden.“ Statt im Falle einer Irritation schnell zu urteilen und zu stereotypisieren, sei es besser, zu analysieren und Lösungen zu suchen.

In einer Podiumsdiskussion kamen weitere Stimmen zu Wort. Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes warb um Verständnis: „Die Geflüchteten sind Menschen, die völlig aufgeschmissen sind, wir müssen uns in sie hineinversetzen.“ Aigün Hirsch vom Flüchtlingsrat Niedersachsen forderte: „Integration muss in den Erstaufnahme-einrichtungen mit Sprachkursen beginnen.“  Tjark Bartels, Landrat im Landkreis Hameln-Pyrmont sagte: „Dass Menschen erfrieren, kann keine europäische Antwort sein“ und „wenn wir gut integrieren, zahlen die Geflüchteten irgendwann unsere Sozialleistungen.“ Editha Lorberg, Abgeordnete des Niedersächsischen Landtages betonte: „Die Rechten müssen aus der Mitte der Gesellschaft verbannt werden. Aber wir müssen Sorgen und Ängste auch zulassen, damit nicht hinter vorgehaltener Hand geredet wird.“

Ihre Ängste diskutierten die Teilnehmerinnen an der Veranstaltung mit den Referenten. So kam die Sorge zur Sprache, unter den Flüchtlingen könnten Kämpfer der Terrororganisation „Islamischer Staat“ sein, sowie die, dass hierzulande erworbene Frauenrechte durch das Rollenverständnis der Geflüchteten Schaden nehmen könnten. Im Ergebnis zeigt das einstimmige Votum der Kreisvorsitzenden für das Dreijahresthema: Die LandFrauen im NLV wollen ins Gespräch kommen, aktiv auf Geflüchtete zugehen und Begegnungen schaffen.

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