17.11.2015

Presseinformation – "Auf den Einzelnen kommt es an"

Die Energiewende kann nicht warten: Das wurde bei der NLV-Tagung „Wachstum mit Verantwortung“ eindrücklich deutlich. Im Alltag müssen Kreisläufe mitgedacht werden.

Dr. Gottfried Römer erläutert den Tagungsteilnehmerinnen die Arbeitsweise des EFZN
Die Teilnehmerinnen mit zwei der Referenten: Lothar Nolte (vorne li) und Elisabeth Leicht-Eckardt (vorne re.), dahinter die NLV-Vorsitzende Barbara Otte-Kinast

Hannover, Goslar  –  „Unser Dreijahresthema ‚Energie mit Köpfchen‘ schlägt Wellen, viele unserer Vereine engagieren sich und führen tolle Aktionen durch“, sagte Barbara Otte-Kinast, Vorsitzende des Niedersächsischen LandFrauenverbandes Hannover (NLV) am Freitag in Goslar. Im Rahmen des Dreijahresthemas hatte der NLV zur Tagung „Wachstum mit Verantwortung“ namhafte Referenten gebeten, um die globalen Notwendigkeiten und Chancen der Energiewende auszuloten.

Um den „nachhaltigen Haushalt“ ging es Prof. Elisabeth Leicht-Eckardt aus Osnabrück. „Egal, was Sie tun, bemühen Sie sich um die Kreisläufe: Wo kommt etwas her und wo geht es hin?“, forderte die Referentin auf. Die deutlich wachsende Zahl an Ein- und Zweipersonenhaushalten bringe neue Herausforderungen in energetischer Hinsicht mit sich. „Viele führen einen Haushalt und wissen nicht, wie es geht, wissen zum Beispiel nicht, wie viel Energie sie täglich am Herd verbrauchen“, mahnte sie. Eine effiziente Zukunftsperspektive könnte deshalb sein, sich zu Wohn- und Hausgemeinschaften zusammenzuschließen und die hauswirtschaftlichen Dienstleistungen in professionelle Hand zu legen. Weiter forderte die Expertin „Nachhaltigkeitsunterricht“ an den Schulen. Die LandFrauen sah sie mit der Forderung nach der Vermittlung von Alltagskompetenzen an Schulen gut aufgestellt.

Andreas Möller brachte in seinem Vortrag einige ernüchternde Erkenntnisse auf den Tisch: „Der Anteil an erneuerbaren Energie ändert nichts am globalen CO2-Ausstoß, wir verlagern die energieintensive Produktion damit nur von uns weg“, sagte der Autor des Buches „Das grüne Gewissen“ aus Berlin. „Wir sollten uns bei allen regionalem Wünschen immer klarmachen, was das im globalen Kontext bedeutet“, mahnte Möller. Die Energiepolitik sei leider nicht konform mit der Klimapolitik. „Dass allein der Verbraucher die Energiewende finanziert, ist absurd. Der Europäische Zertifikate-Handel und das EEG passen als CO2-Vermeidungsstrategie nicht zusammen.“

„Was wir hier tun, hat irgendwo in der Welt einen Effekt“, betonte auch Lothar Nolte, Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen. Bei der Energiewende werde viel über Strom diskutiert. Der Verkehr werde als maßgeblicher Faktor aber häufig vergessen. „Wer ist da der Interessenführer?“, fragte er. „Die gegenwärtige Preisentlastung auf dem Energiemarkt führt dazu, dass sich alle entspannen“, warnte Nolte. Aus dem Luxus heraus habe es die Energiewende schwer, deshalb seien die erfolgten gesetzgeberischen Schritte aus seiner Sicht notwendig und richtig.

Am zweiten Tagungstag besichtigte die Gruppe das Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN). „Bei allen Entwicklungen“, führte Gottfried Römer bei seiner Führung aus, muss von vornherein die Akzeptanz der Nutzer mitgedacht werden.“

Die Relevanz der Energiewende machte Römer eindringlich deutlich: Die Atmosphäre kann nur noch 210 Gt CO2 aufnehmen. Um den Klimawandel in den Griff bekommen, muss deshalb auf 80 Prozent der noch vorhandenen weltweiten Kohlevorräte verzichtet werden. In der Sonne liege eine große Chance: Würde eine halbe Stunde Sonneneinstrahlung weltweit aufgefangen, gespeichert und weitergeleitet, wäre die Energieversorgung der Menschheit für ein Jahr komplett sichergestellt. Römer mahnte bei den Anwesenden dringend an, auf „Grünen Strom“ umzustellen. Dadurch hätte der Verbraucher direkt Einfluss darauf, wie viel regenerativer Strom ins Netz eingespeist werde. „Jeder muss mit seiner Energiewende zu Hause anfangen!“, betonte er.

Zum Abschluss bedankte Ilse-Marie Schröder vom NLV-Vorstand sich bei Dr. Römer für die aufschlussreiche Führung. „Der NLV wird von der Tagung viele Forderungen mitnehmen und damit im Juni 2016 beim LandeslandFrauentag in Cuxhaven Umweltminister Stefan Wenzel konfrontieren.“ Der LandeslandFrauentag bildet den Abschluss des NLV-Dreijahresthemas „Energie mit Köpfchen – LandFrauen schaffen Durchblick“.

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